Der Regen ändert die Richtung
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Zisterne aus Beton-Fertigteilen verschraubt, auf...
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Pflasterfläche versickerungsaktiv in einem...
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Versickerungsaktives Pflaster mit unregelmäßiger...
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Rinnensystem BIRCOsir zur Entwässerung der...
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BIRCOsolid Schlitzrinnen zur Entwässerung der...
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Weil der Gesetzgeber es so will, wird der Regenabfluss in Siedlungsgebieten künftig eine andere Richtung nehmen. Es geht nicht darum, das Wasser bergauf fließen zu lassen – das wäre utopisch. Doch spektakulär ist trotzdem, was im Stillen vorbereitet wurde: Seit 01.03.2010 gilt das neue Wasserhaushaltsgesetz (WHG 2009). Betroffen sind alle Bürger und Betriebe, Bundesländer und Kommunen.
Auch wenn Einzelheiten dazu noch nicht vorliegen, eines ist sicher: Wasser wird nicht mehr direkt und schnell im Gully verschwinden dürfen, sondern langsam und dezentral auf den Grundstücken bewirtschaftet werden müssen. Damit ändert der Oberflächenabfluss seine Richtung. Vom Grundsatz her darf Regenwasser nicht mehr mit Schmutzwasser vermischt werden. Dies untersagt das WGH in § 55, Absatz 2 ausdrücklich. Und darin liegt das Revolutionäre, denn es kommt einem Verbot der Mischkanalisation gleich.
Pflasterflächen, stabil und wasserdurchlässig
Ideal im Sinne des neuen Wasserhaushaltsgesetzes ist die Regenwasserversickerung durch befestigte Flächen ohne Ableitung in den Kanal. Doch muss der Schutz von Boden und Grundwasser gewährleistet sein. Eine flächige Versickerung durch den Pflasterbelag hindurch ist nur außerhalb von Wasserschutzgebieten gestattet, wenn der Abstand zum Grundwasser mindestens 2 m beträgt und kein Streusalz verwendet wird. Ein versickerungsaktives Pflaster muss Eigenschaften haben, die sich auf den ersten Blick widersprechen. Tragfähigkeit verlangt nach einem festen, belastbaren Material. Wasserdurchlässigkeit benötigt dauerhaft kleinste Hohlräume. Deshalb handelt es sich um eine Sonderbauweise mit besonderen Anforderungen an Ausführung und Material. Die Durchlässigkeit des Bodens ist eine wichtige Voraussetzung. Sandige und kiesige Baugründe sind unproblematisch, bindige Böden erfordern dagegen Zusatzmaßnahmen, um eine dauerhafte Aufnahme des Wassers bei gleichzeitiger Standfestigkeit der Pflasterfläche gewährleisten zu können. In Frage kommen dafür Bodenverbesserungen, Drainagen oder dickere Schichtaufbauten. Es gilt der Grundsatz „Erst die Verkehrssicherheit und die Tragfähigkeit, dann die Wasserdurchlässigkeit“. Für den Schichtaufbau von Tragschicht und Pflasterbett sind kornabgestufte Mineralstoffgemische zu wählen, die gut zu verdichten und dennoch wasserdurchlässig sind [2].
Freie Waldorfschule Uhlandshöhe in Stuttgart
Im Zusammenhang mit dem Neubau von Hort und Mensagebäude wurden Außenanlagen umgestaltet, darunter auch ein Teil des Pausenhofs. Das Konzept entstand mit Hilfe einer Schülerinitiative. Die inselartigen Baumstandorte mit Vegetationsflächen werden „umspült“ von vertieften Belagsflächen, die Assoziationen an ein geschwungenes Flussbett wecken. Das als Pflaster verwendete ungewöhnliche Betonprodukt besteht aus Steinen in verschiedenen Größen mit unregelmäßigen, abgerundeten Konturen. Sie erinnern an gespaltene Kiesel, was den Eindruck eines Flussbettes verstärkt. Darüber hinaus wird die Forderung nach einem Belag erfüllt, der wasserdurchlässig ist und doch so belastbar, dass der Pausenhof bei Schulfesten oder Konzerten als Parkplatz dienen kann. Bedingt durch die fast organischen Umrisse der Steine ist der Fugenanteil sehr hoch, und selbst starke Niederschläge versickern rasch. Das Pflaster bleibt dabei trittsicher und rutschfest. Bei fachgerechter Ausführung wie hier ist die Versickerungsleistung des Pflastersystems Arena über die Fugen nicht nur im Neuzustand, sondern auch auf Dauer erheblich höher als die für anschlusslose Flächen einzuhaltende Vorgabe von 270 Liter pro Sekunde und Hektar gemäß den technischen Regeln. Dies belegen Untersuchungen durch das Sachverständigenbüro BWB im Rahmen eines langfristig angelegten Gutachtens [3]. Pflastersysteme, die über aufgeweitete Fugen oder die Steine selbst eine weitgehende Versickerung der Niederschläge ermöglichen, bieten Möglichkeiten, einer Versiegelung entgegenzuwirken, sie haben aber auch Grenzen. Ist der Baugrund für außergewöhnlich starke Regenereignisse nicht ausreichend aufnahmefähig und eine breitflächige Ableitung über die Kante der befestigten Fläche nicht möglich, kann durch Rinnen so entwässert werden, dass eine Mulde, ein Muldenrigolensystem oder ein Teich wie durch natürlichen Zulauf nahe an der Geländeoberfläche erreicht werden [4].
Entwässerungsrinnen, belastbar und wartungsfreundlich
Rinnen müssen wie Rohre Entwässerungssicherheit bieten, das heißt für die angeschlossene Oberfläche richtig dimensioniert sein. Ein gleichmäßiges Gefälle und dichte Verbindungen zwischen den Rinnenelementen sind Voraussetzung. Zugleich wird erwartet, dass Rinnen belastbar sind, dass sie Kräfte aus den Anschlussflächen schadlos ableiten können. Auch die Rinnenabdeckungen müssen für die zu erwartenden Lasten geeignet sein. Begehbar, mit PKW oder mit LKW befahrbar sind Belastungsfälle, die nach DIN EN 1433 genau beschrieben sind. Für jede Anforderung gibt es die richtigen Abdeckungen in unterschiedlichem Design. Sie sind jeweils kombinierbar mit den verschiedenen Formen und Größen der Entwässerungsrinnen.
Zisternentechnik, automatisch und komplett
Wenn, wie Klimaexperten prophezeien, die Wetterextreme zunehmen - sowohl die Intensität der Niederschläge, als auch die Dauer der Trockenperioden – sind große Regenspeicher sinnvoll. Daraus kann Betriebswasser zur Verfügung gestellt werden für Zwecke, für die das Lebensmittel Trinkwasser zu kostbar ist. Möglich ist die Nutzung des Niederschlags als Betriebswasser für WC-Spülung, Bewässerung und Kühlung oder in der Produktion [6].
Lise-Meitner-Gymnasium in Falkensee bei Berlin
Das vorhandene Hauptgebäude, ein Plattenbau aus der DDR-Zeit, musste renoviert und modernisiert werden. Statiker und Haustechniker waren besonders gefordert. Energie und Wasser waren vorrangige Themen. Vom Flachdach des Hauptgebäudes wird der Niederschlag in einem unterirdischen Speicher gesammelt, ebenso vom Gründach der neu erstellten Aula. Für die Beregnung der Außenanlagen und die Toilettenspülung wird der kostenlos anfallende Rohstoff genutzt. Regenspeicher aus Betonfertigteilen werden komplett mit Steuerung und Pumpentechnik geliefert. Mit entsprechender Erdüberdeckung sind diese Behälter befahrbar. Damit konnte der Standort bei diesem Projekt flexibel gewählt werden. In den Zulauf des Speichers wurde der Filterschacht montiert. Schwebstoffe, die die Filterkassetten aus Edelstahlgewebe mit einer Maschenweite von 0,4 mm nicht passieren können, sinken als Feinteile zu Boden und bilden das so genannte Sediment oder schwimmen auf an die Wasseroberfläche, wie z. B. Blütenpollen. Das mit dem Filter verbundene Ablaufrohr gewährleistet, dass weder Sediment noch Schwimmschicht in den Speicher gelangen. Entlüftung und Überlauf werden bei dieser Bauweise im Speicher oder im Filterschacht nach Bedarf angeordnet [7]. Im Gebäude befindet sich das Regencenter Monsun XL mit elektronischer Steuerung, Doppelpumpendruckerhöhung und integriertem Vorlagebehälter. Unter Wasser in der großen unterirdischen Zisterne steht die Zubringerpumpe und fördert nach Bedarf, von der Regenwasser-Zentrale gesteuert.
Regen ändert die Richtung, weg vom Kanal, hin zu Gebäude und Grundstücken, wie es die WGH-Novelle fordert. Voraussetzung ist ein dezentrales Entwässerungskonzept, z. B. mit versickerungsaktivem Pflaster, offenen Entwässerungsrinnen und Zisternen. Dies spart Erschließungskosten und steigert den Immobilienwert. Es verbessert in jedem Fall den kleinräumigen Naturkreislauf des Wassers, – und erhöht unsere Lebensqualität im Sinne einer intakten Umwelt gemäß des japanischen Sprichwortes: „Die Sonne ist die Geburtshelferin des Lebens, der Regen jedoch ernährt es.“n
Dipl.-Ing. Klaus W. König, Überlingen
www.klauswkoenig.com
www.mall.info
www.BIRCO.de
www.braun-steine.de
[1] Brombach, H.: Im Spiegel der Statistik: Abwasserkanalisation und Regenwasserbehandlung in Deutschland. In: KA Korrespondenz Abwasser, Abfall – 2010 (57), Nr. 1, Seite 28-36. GFA, Hennef 2010.
[2] SLG (Hrsg.): Die fachgerechte Anwendung versickerungsfähiger Pflastersysteme aus Beton. Betonverband Straße, Landschaft, Garten e. V., 3. Auflage, Bonn 2008 (zu beziehen bei Albrecht Braun GmbH, 73340 Amstetten, www.braun-steine.de).
[3] Borgwardt, S.: Gutachten zur Versickerungsleistung des Pflastersystems ARENA. BWB, Norderstedt 2007, online auf www.arena-pflastersteine.de, Suchbegriff „Technik“
[4] Regenwassermanagement, Platzsparende Versickerung. In: Projektmanagement, objektbezogene Planung, Beratung und Berechnung (zu beziehen bei BIRCO Baustoffwerk GmbH, 76532 Baden-Baden).
[5] Neue Messe Stuttgart, Deutschlands größte Baustelle. www.BIRCO.de/Aktuell/BIRCO-Nachrichten/04.2007
[6] fbr top-8, kostenloses technisches Informationsblatt zur Regenwassernutzung in kleinen und mittelständischen Betrieben, zu beziehen bei fbr, www.fbr.de.
[7] Ehlert, U.: Regenwassernutzung in großem Stil? In: Ratgeber Regenwasser. Für Kommunen und Planungsbüros. Rückhalten, Nutzen und Versickern von Regenwasser im Siedlungsgebiet.
2. Auflage, Mall GmbH (Hrsg.), Donaueschingen 2008.




